Wenn sich eine Tür schließt: Wie Uwe Knoll seine Berufung fand

Shownotes

Manchmal nimmt das Leben eine Wendung, die wir uns niemals ausgesucht hätten – und führt uns gerade dadurch dorthin, wo wir hingehören. In dieser besonderen Folge von „Mutig entscheiden und machen“ spricht Wolfgang Walter Wulle mit Uwe Knoll, Diplom-Pflegefachmann und einem Menschen, der Wolfgang während seiner Reha nach der beidseitigen Knieoperation mit viel Empathie und Menschlichkeit begleitet hat. Uwes eigener Lebensweg ist geprägt von solchen unerwarteten Wendungen: Mit 15 beginnt er eine Ausbildung zum Maurer und sieht seine Zukunft im Handwerk. Doch ein schwerer Skiunfall verändert mit 19 Jahren alles. Sieben Wochen lang muss er nahezu bewegungslos im Bett liegen – abhängig von der Hilfe anderer Menschen. Eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt und ihm später dabei hilft, die Ängste, die Hilflosigkeit und die Bedürfnisse seiner Patientinnen und Patienten besonders fein wahrzunehmen. Ausgerechnet in der Pflege, mit der er zunächst möglichst wenig zu tun haben wollte, findet Uwe schließlich seine Berufung. Seit rund 35 Jahren begleitet er Menschen in schwierigen Lebenssituationen – mit Fachwissen, Aufmerksamkeit und vor allem mit echter menschlicher Nähe.

Über diesen Kontakt kannst du Wolfgang erreichen: kontakt@wwwulle.ch

Transkript anzeigen

00:00:00: Mutig entscheiden und machen, der Podcast von Wolfgang Walter Wulle im Gespräch mit Gästen als eingespieltes Duo oder allein.

00:00:09: Drei Formate ein Fokus!

00:00:10: Und immer... Worte

00:00:12: steig!

00:00:13: Los geht's.

00:00:14: Guten Morgen!

00:00:15: Es ist wieder Montagmorgen, fünf Uhr dreißig und ihr lieben fleißigen Hörerinnen und Hörers seid mal wieder.

00:00:22: Und er um Montagmorgen den Kick, den Start in die neue Woche zu kriegen, da freue ich mich natürlich sehr drüber.

00:00:29: Wenn ihr es einfach unter der Woche hört auch okay aber das ja euch nicht wundert Montag morgens fünf Uhr dreizig?

00:00:36: Ne, da haben wir's nicht aufgenommen, sondern da wirds gesendet gibt es eine ganz spezielle, besondere Episode.

00:00:44: Warum?

00:00:44: Weil, wisst ihr, manchmal führen uns ja das Leben nicht durch die Tür, die wir selbst ausgesucht haben, sondern durch eine, die wie freiwillig vermutlich niemals geöffnet hätten.

00:00:56: und mein heutiger Podcast-Gast ist Uwe Knoll.

00:01:02: Diplom, Pflegefachmann Ein ganz besonderer Mensch, den ich hier in der Klinikschluss-Mammern kennen und Schätzen gelernt habe.

00:01:09: Uwe gehört zu den Menschen die mir gerade in den ersten Tagen nach meiner beidseitigen Knieoperation – ich hab mal ganz tief in das Metallersatzteillager reingekriegt – er hat mir da sehr geholfen wieder auf die Beine zu kommen und das im wahrsten Sinne des Wortes.

00:01:26: Sein eigener Weg begann allerdings ganz anders!

00:01:30: Mit fünf zehn Jahren machte er eine Ausbildung zum Maurer.

00:01:34: Er hatte Pläne, wollte im Handwerk seinen Weg gehen und etwas aufbauen.

00:01:38: Doch dann kam mit neunzehn Jahren ein schwerer Ski-Unfall der sein bisheriges Leben von einem Moment auf den anderen veränderte.

00:01:49: Der Pflegeberuf Den hatte Uwe damals überhaupt nicht auf dem Schirm.

00:01:54: Eigentlich wollte er mit Pflege zunächst sogar möglichst wenig zu tun haben Und doch Führte ihn das Leben genau dorthin, wo er nun seit rund fünfundreißig Jahren Erfüllung und wie er selbst sagt seine Bestimmung gefunden hat.

00:02:10: Ein Freund von mir sagte vor kurzem zu mir als es mir sehr schlecht ging grad am Anfang Als ich hier in die Reha kam du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hände.

00:02:22: Ja das hat mich echt berührt und bewegt.

00:02:25: dieser Satz von meinem freund.

00:02:28: Vielleicht ist Uwe damals mit neunzehn Jahren genau dort hineingefallen und vielleicht hat er gerade dadurch den Weg gefunden, der für ihn bestimmt war.

00:02:38: Lieber Uwe, herzlich willkommen bei Moodig-Entscheiden und Machen!

00:02:44: Aber wo ist Kalle?

00:02:47: Lieber uwe bevor wir nun über deinen beruflichen Weg sprechen... Wer ist denn der Uwe Knoll wenn er gerade mal nicht arbeitet?

00:02:56: Gibt's

00:02:56: das?!

00:02:57: Das gibt es auch.

00:02:58: Tatsächlich habe ich ja auch mal ein bisschen Freizeit.

00:03:02: Ja, was soll ich sagen?

00:03:03: Der Uwe Knoll bleibt auch draußen in der Uwe-Knoll so von der Art aber Familienvater seit jetzt fünf oder dreißig Jahren verheiratet.

00:03:15: Zwei große Kids schon.

00:03:18: Meine Tochter ist mit sechs und zwanzig jetzt dieses Jahr nach Hamburg gezogen.

00:03:23: Die ist da Ärztin im Bundeswehrkranklerhaus in Hamburg.

00:03:27: Mein Sohn schließt jetzt gerade sein Studium ab im Finanzwesen.

00:03:32: Meine liebe Frau und ich verbringen jetzt sozusagen, oder dürfen jetzt endlich mal ein bisschen mehr Zeit miteinander verbringen?

00:03:38: Ja schön!

00:03:38: Die Kids sind ja... Ist

00:03:40: ja auch grad schön wenn die Kids dann raus sind.

00:03:42: Dann hat man wieder mehr Zeit für einen anderen.

00:03:46: Was ist denn so als Mensch in dem Leben besonders wichtig?

00:03:50: Also tatsächlich wirklich Familie an erster Stelle das muss ich sagen Das war und ist mir schon immer sehr wichtig, einfach auch dass man da ein gutes harmonische Verhältnis hat.

00:04:03: Sowohl jetzt ausseiten meinen Eltern wobei mein Papa auch schon jetzt zwölf Jahre rot ist aber natürlich auf allen Dingen in der eigenen Familie beim Bruder und Familie.

00:04:13: meine Kinder und so das nächste Umfeld ist mir schön sehr wichtig.

00:04:16: genau die Freunde.

00:04:18: Man braucht nicht viele eine Hand voll überhaupt reichen aber mit denen einfach einen guten Kontakt.

00:04:25: Das ist schon, würde ich sagen was mir am wichtigsten ist der Freizeit oder im Privatleben.

00:04:31: Ja da hörten wir ja auch dann als wir uns unterhalten haben über den Podcast gesprochen haben hast du mir auch gesagt dass du in einer Familie aufgewachsen bist in der das Handwerk eine große Rolle spielte.

00:04:43: und hast du bereits mal mit fünfzehn Jahren deine Ausbildung zum Oro begonnen?

00:04:48: Was hat dir damals an dem Beruf gefallen?

00:04:52: Also irgendwie kommt man natürlich da rein, wenn die eigene Familie überall im Handwerk tätig ist und der Vater da auch Beziehungen hatte.

00:04:59: Aber ich habe wirklich schon als Kind diese Männer auf dem Bau bewundert.

00:05:04: Ich dachte das ist schon so ein richtiger Männerberuf zum einen und zum anderen.

00:05:10: Als ich dann in die Lehre ging mit fünfzehn war es schon erst mal streng.

00:05:15: Es war noch ein Bübchen Und dann auf

00:05:17: dem Bau.

00:05:18: Die Muckis sind noch

00:05:21: nicht so da, die Wuchsen-Audelle in den drei Jahren doch beachtlich.

00:05:25: und nee also Taseo was hat mich befriedigt am Abend zu sehen was man geleistet hat?

00:05:30: Jeden Abend hast du gewusst heute war das mein Tageswerk und das ist eigentlich schon etwas sehr Befriedigendes.

00:05:36: außer empfinde ich es eben wenn man am Abend seine Leistung tatsächlich buchstäblich vor den Augen sehen kann.

00:05:43: Warte für dich zu dem Zeitpunkt schon klar, das ist mein Weg, darauf baue ich meine Zuckels auf?

00:05:48: Also das war schon so meine Idee genau.

00:05:51: also der Vater hatte ja auch immer ein bisschen im Hinterkopf nur die Idee mehr könnten uns ja dann gemeinsam auch mal selbstständig machen.

00:05:59: Ich habe gedacht ich werde da auf alle Fälle weiter nicht weiterbilden also so den Vorarbeiter machen in Polier und Polierschule Und dann eventuell Meisterschule oder was da immer.

00:06:10: Also ich hab das schon so meinen Währlehrgang eigentlich

00:06:13: gesehen.

00:06:14: So vor Augen gesehen gehabt, ja genau.

00:06:16: Du hast gerade gesagt es fand nicht so schön.

00:06:19: Da hat man am Abend gesehen Was man sichtbar zu ein sinnvolles hier geleistet hat.

00:06:24: Dann nach so einem Tag Mauerarbeit

00:06:27: Ja

00:06:28: Ist heute nur vielleicht einen Teil von dir so Das abends zu sehen Was man Sinnvolles geleistert hat

00:06:35: Absolut Genau.

00:06:36: also Das ist auch etwas, was ich jetzt in der Pflege wieder sehe.

00:06:40: Natürlich nicht buchstäblich, in dem Sinn, was habe ich heute aufgebaut?

00:06:44: Aber ich habe trotzdem eben was aufgebaut!

00:06:47: Man kriegt wirklich so viel... man sieht das ja auch mit dir und eigentlich so mit den Patienten, man kriegt soviel zurück wo man sagt am Abend Ich sehe auch wieder, was sich heute geleistet hat.

00:07:00: Also man spürt es, bemerkt es Und das ist genau das, was mir gut tut, warum mich berufwärtig so gerne mache und warum ich da halt auch landen soll.

00:07:11: Und zwischendrin habe ich ja mal noch diese Ausbildung gemacht zum Industriekaufmann, und da hab' ich das eben überhaupt nicht empfunden.

00:07:19: Also dieses wirklich

00:07:21: sinnvolle... Da kommt man dann gleich nochmal.

00:07:24: Ich gehe dann da gerne nochmal ein bisschen tiefer rein in den Bereich.

00:07:27: Ja, dann kam ja im Alter von neunzehn Jahren dieser schwere Ski-Unfall.

00:07:32: Du hast dir zwei Würbel gebrochen und musst das sieben Wochen... muss ich dir so vorstellen Leute?

00:07:37: Sieben Wochen vollkommen flach liegen!

00:07:40: Nicht bewegen nicht links, nicht rechts, nicht aufrichten gar nix Niente wirklich einfach sieben wochen Flacht legen.

00:07:53: Also was ist damals passiert?

00:07:54: die Idee?

00:07:58: bis man das überhaupt mal realisiert und dann ist man vielleicht zuerst mal dankbar, dass man ja noch am Leben ist und alle Extremitäten bewegen kann.

00:08:08: Und dann gibt es natürlich in diesen sieben Wochen ganz viel Laufs-und-Abs.

00:08:11: und wenn man denkt, ich halte es nicht mehr aus in diesem Bett?

00:08:15: Ich muss jetzt raus!

00:08:16: War da auch die Angst da, dass du vielleicht überschnittgelehnt sein wirst oder gelehmt sein wusst nicht mehr laufen kannst, wenn das nicht gut kommt nach den sieben.

00:08:26: Also nachdem ich es dann mal realisiert habe, was da wirklich krassistisch ist, hab die schon so diese Momente, die ich gedacht hab.

00:08:34: Was mich denn auch motiviert hat, wirklich stillzulegen.

00:08:37: Das muss jetzt einfach gut werden und das muss heilen weil kann natürlich auch ganz anders ausgehen und ich sitze in den Rest meines Lebens im Rollstuhl.

00:08:47: Ja, ich hab mir schon vorstellen können Sie noch erinnern?

00:08:50: Was geht da so in einem neuen Szene her?

00:08:52: Was ging Ihnen dir vor?

00:08:55: Wenn plötzlich nicht mehr Party ist, freunde Zukunftspläne den Alltag bestimmen.

00:09:01: Sondern ein Krankenbett und Abhängigkeit von anderen Menschen?

00:09:06: Ja also das war schon wirklich schwierig vor allen Dingen wie du sagst genau das diese Abhängigkeit von anderen Männchen.

00:09:14: Wie du es ja auch schön beschrieben hast ich konnte ja tatsächlich sehr wenig selber machen.

00:09:19: Ich durfte mich wie du gesagt hast nicht drehen, rechts nicht links.

00:09:22: ich musste die Urinflasche benutzen, man muss nämlich auf die Bettpfanne drehen mit zwei Pflegekräften.

00:09:30: Ich durfte nur beim Essen und trinken flach liegen, geschweige denn mal Duschen war ja überhaupt nicht möglich.

00:09:37: also immer noch mit dem Waschleppchen abwaschen das was man so selber konnte Und die liebe Mama hat mir dann vielleicht einmal die Woche die Haare gewaschen im Bett weil das Pflegepersonal da auch nicht immer so die Zeit zu hat.

00:09:52: Diese Abhängigkeit und dieses Abgeben von den intimsten Momenten, wenn man den Hintern geputzt bekommen muss von anderen Leuten.

00:10:03: Und gerade als neunzehnjähriger junger Mann ist es schon hart.

00:10:08: Ja das macht was mit einem.

00:10:09: Das glaube ich!

00:10:11: Und da hat sich durch diesen Unfall selbst erlebt wie sich's anfühlt vollkommen auf andere Menschen angewiesen zu sein.

00:10:19: Was hat diese Erfahrung?

00:10:21: Jetzt vielleicht gerade auch für heute, wenn wir das gerade mal auf heute springen mit einem Blick auf Patientinnen und Patienten gemacht.

00:10:29: Also jetzt im Nachhinein bin ich eben um diese Erfahrung sehr dankbar weil ich es genau weiß wie geht es den Menschen die hier in der Klinik oder in den anderen Kliniken in denen ich gearbeitet habe?

00:10:44: Wie geht's denen auf der anderen Seite?

00:10:46: Wie fühlt man sich da?

00:10:47: Man ist schilflos, man ist ausgeliefert, man hat Ängste Und ich glaube, ich kann mich dadurch einfach extrem gut in diese Situation reinversetzen.

00:10:57: Dadurch auch sehr empathisch sein und wissen was tut es dem jeweiligen Patienten gerade gut?

00:11:03: Und wie kann ich ihn ein bisschen abholen?

00:11:05: Wie kann ich den Händeln beabhauchen?

00:11:06: Was?

00:11:07: Ich glaub das ist schon eine meiner absoluten Stärken die ich da entdecken durfte muss sich jetzt im Nachhinein sagen dass ich natürlich damals noch lange nicht so gesehen habe.

00:11:18: Ja ich hab mir der Vorbereitung auch so gedacht weil es ist mir auch in unserer Begegnung aufgefallen, als es mir ja wirklich sehr schlecht ging gleich am Anfang mit wahnsinnigen Schmerzen und nicht bewegen können.

00:11:32: Und dann habe ich überlegt so, wo ich das mal so reflektiert hab ob du wohl eine besondere Gabel da durchbekommen hast, eine besondre Fähigkeit also dass Du heute merkst wenn Du uns immer betriebs, dass Du das schneller merkst als andere was ein Mensch in dem Bett gerade braucht Auch wenn das vielleicht gar nicht ausspricht.

00:11:53: Kann gut sein!

00:11:55: Also ich würde es so sagen, von meiner Seite aus wie du mich wahrgenommen hast, wie du das gespürt hast und da auch empathisch feinfühlig reingegangen bist und mich dann auch da unterstützt hast... Und natürlich habe ich gedacht, wow, das ist jetzt was ganz Besonderes.

00:12:12: Deswegen hat sich ja auch in dieser... Ich bin es dann bald vier Wochen hier auch in der Zeit so entwickelt zwischen uns Als ich dich dann fragte, ob du gerne Gast immer am Podcast sein möchtest.

00:12:24: Weil ich glaube das ist eben auch gerade für viele Hörerinnen und Hörern wenn sie in einer ähnlichen Situation stecken oder vielleicht sogar an einem ähnliche Schicksal stecken Oder vielleicht gerade daran denken die Beruf zu wechseln oder vielleicht einen Angehörigen haben der gerade ziemlich übel drin liegt oder ein Unfall hatte oder krank ist Wie geht man da dann auf Menschen ein?

00:12:46: oder wie fühlt man das?

00:12:47: Dann gibt es einen Rezept irgendwie von dir.

00:12:50: Oder ist es wirklich diese ... Ich sage ja, jeder Pflege muss mal einen schweren Unfall gemacht haben um zu verstehen, wie es denen im Bett geht.

00:12:59: aber du machst ja auch hier Schulungen in der Klinik Schlossemammern.

00:13:04: Machst Du da auch an irgendwie so in dem Bereich Schulungen also die praktische Wahrnehmung von Menschen, die da liegen.

00:13:14: Leider nicht ne?

00:13:15: Die Schulungen sind wirklich rein auf das Thema Wiederbelebung bezogeln.

00:13:20: Wobei ich das sehr gerne machen würde.

00:13:21: natürlich so genau dieser empathische Umgang mit Leuten.

00:13:25: aber auf deine Frage eben einzugehen ob es irgendwelche Tricks gibt oder...

00:13:30: So Tricks ist falsch ausgedrückt nag' ich jetzt gerade.

00:13:35: Was wäre da das richtige Wort?

00:13:37: Gibt es irgendwellche Wahrnehmungsmöglichkeiten.

00:13:43: Gibt es irgendwelche empathischen Fragen, die man stellen kann?

00:13:49: Gibt das eine Wahrnehnung was mimik des Patienten der Patientin anbetrifft um zu sehen auch Der geht's gerade gar nicht gut.

00:13:59: Ich weiß ich glaube muss einfach aufmerksam sein.

00:14:04: und tatsächlich sage ich jetzt die Menschen lieben Das ist also wirklich das mögen Und es ist ja in jedem Zimmer anders.

00:14:13: Jeder Mensch ist anders und jeder geht mit seinem Krankheitsbild anders um, ich gehe hier aus deinem Zimmer raus, gehe nebenan rein, habe eine ganz andere Situation.

00:14:21: Ich glaube da kommt es an, geschreien, machst den Tür auf und bist aufmerksam.

00:14:25: Bist du da?

00:14:26: Hörst zu?

00:14:27: Schau dich um!

00:14:28: Und überschwirklich die Menschen, die Arbeit lieben.

00:14:32: Das ist das vielleicht.

00:14:33: Würdest du sagen dass das vielleicht sogar der Unterschied ist zwischen korrekter Pflege Und wirklich menschlicher Pflege.

00:14:41: Ja, ich denke schon genau.

00:14:42: Also das gibt es ja eben... Du kannst ja hoch professionell sein natürlich und was auch dazu gehört aber irgendwie fehlt denn das Zwischenmenschliche.

00:14:51: Das kenne ich auch und ist auch in Ordnung.

00:14:55: Aber für mich ist das das was es ausmacht.

00:14:59: Du hast mir erzählt dass du damals ja durch deine Entscheidung gegen den Wehrdienst kamst du schließlich für drei Jahre in eine soziale Einrichtung und damit in die neurologische, frühe Rehabilitation.

00:15:15: Und es ist bemerkensfertigste, weil ja wie du vorhin auch gesagt hast... Du wolltest überhaupt nicht hinpflege.

00:15:21: Mit welchem Gefühl bist du damals von deinem ersten Tag dann dort hingegangen?

00:15:25: Also dorthin wo du eigentlich gar nicht hingehen wollen wirst.

00:15:29: Also tatsächlich bin ich da sehr widerwillig hingegang komplett gestreut gegen diese Arbeit da in der Klinik eben mit Schwerstkranken und Patienten eben neurologische Frühjahr.

00:15:44: Da haben wir wirklich ein schwere Krankheitsbilder, komplett gelähmte Menschen die nicht mehr sprechen können, nicht mehr selber essen können, die sich nicht selber versorgen können also wirklich schwerstkranke Menschen.

00:15:58: und dann kommst du aus deiner eigenen Welt, aus der Maurerwelt sag ich mal, aus dem Handwerk

00:16:05: wo es ja deftig auf der Baustelle auch sprachlich

00:16:08: zu gilt.

00:16:08: Absolut, das ist so genau und wie ich dir erzählt habe im Feld auch schon, ich wollte das absolut nicht.

00:16:16: aber ich musste eben aufgrund dass ich den Wehrdienst und auch den Zivilisch verweigert hab in dem Ersatzdienst gehen drei Jahre und habe da eben jemand gekannt.

00:16:26: dann habe ich gesagt gut dann kenne ich zumindest mal jemanden und mache das jetzt halt mal bin da sehr, sehr wieder billig hingegangen mit keinen guten Gefühl und hat sich denn doch alles spannender und interessanterweise dann ganz anders entwickelt.

00:16:44: Gab

00:16:44: es dann bestimmter Moment oder eine bestimmte Begegnung wo so aus diesem widerwilligen Beginn die Erkenntnis wurde?

00:16:53: Also das ist jetzt nicht nur ein Job sondern das ist meine Berufung.

00:16:57: Also in einem bestimmten Moment kann ich jetzt kein Ausmachen außer einfach so... Mit der Zeit, also am Anfang war das sehr schwierig.

00:17:05: Das war ja ein komplettes Neuland einfach ganz was anderes für mich.

00:17:09: aber ich bin eben genau das was ich vorhin schon erwähnt habe dieses wo ich gemerkt hab hey da entsteht etwas, da kommt was zurück was man vielleicht gar nicht so beschreiben kann.

00:17:19: einfach so emotional wurde gesagt ich habe den Menschen heute Gutes getan Ich habe dem irgendwas und was einem so inneres Hochgefühl vielleicht gibt, wenn ich das so beschreiben kann.

00:17:32: Und wenn du diesen Kick immer wieder mal kriegst natürlich ist er nicht jeder Tag gleich.

00:17:37: aber dann habe ich schon gespürt ne da ist was.

00:17:40: Das ist etwas Spezielles.

00:17:42: und ja wie man so will hab wieder willen meine Berufung gefunden.

00:17:47: Ja du weißt ja nach dieser neurologischen frühere Abilitation hast Du ja dann verschiedene Ausbildung gemacht, du hast eine Pflegeausbildung gemacht.

00:17:57: Dann hast du auf der Intensiv- und Anästhesiemedizin gearbeitet in der Nephologie, in der Dialyse und in der Herzchirurgie auch noch wirklich so verschiedenste Stationen.

00:18:11: Was hat dich an diesen anspruchsvollen medizinischen Bereichen besonders gereizt?

00:18:15: Dass du genau da rein wolltest?

00:18:18: Ja das ist natürlich auch ein bisschen meine Geschichte.

00:18:22: Ich war nach der Ausbildung eigentlich auf meiner Wunschstation.

00:18:25: Da konnte ich mir aussuchen, wo ich hin möchte.

00:18:27: Die Station da kam ich dann auch.

00:18:29: Das war die Sceptische Chirurgie.

00:18:30: Da hatten wir ein tolles Team und da wollte ich hin.

00:18:33: Dann hat sich dieses Team oder die Station wurde aufgelöst das Team hat sich zerschlagen Und zu diesem Zeitpunkt habe ich einen Anruf bekommen von der Intensivmedizin Von der Intensive Station weil ich in der Ausbildung als Kaltenpfleger da auch einen Einsatz hatte in sechswöchigen und haben gesagt Uwe du Du warst ja bei uns in der Ausbildung und es hatte doch auch gefallen, weil unsere Intensiv hast du nicht los.

00:18:57: Bei uns eine stellefreie auf intensiv zu kommen.

00:19:01: Und dann war wieder so ne solche Situation in meinem Leben da die Tür aufgemacht.

00:19:06: Will ich das machen?

00:19:06: Ja oder nein?

00:19:07: Und dann habe ich gesagt kommt die Tür ist auf gehen wir durch und schauen mal was passiert.

00:19:13: So kam ich in die Intensifmedizin und so hat sich eigentlich meine ganzen Wechsel im Bereich der Medizin oder der Stationen.

00:19:21: Das waren immer solche Momente und die wandeln immer in dem Moment gut.

00:19:26: Also diese Mut zu haben wieder was Neues anzufangen, auch wenn es vielleicht die Bedingungen erstmal schlecht war.

00:19:34: natürlich war das für mich nicht schön dass sie eine Station zerschlagen wird.

00:19:39: auf der anderen Seite hat sich denn daraus die Intensivfondiziner geben und das war auch im Nachhinein ein ganz toller wertvoller Schritt.

00:19:45: Es hat mir sehr viel Spaß gemacht diese Mischung von Technik und doch dann auch wieder der Pflege, diese Kombi.

00:19:54: Und alles andere was denn passiert ist war immer ähnlich so in diese Richtung es kann.

00:19:58: Eins zum anderen das wurden immer wenn's irgendwo auf einmal baue man nicht mehr gepasst hat als sich eine andere Tür aufgetan.

00:20:07: Da ist viele Jahre mit schwer und auch chronisch kranken Menschen gearbeitet noch gerade im Dialysebereich.

00:20:14: wie schafft man es da menschlich nah zu bleiben?

00:20:18: Ohne, dass man das gesamte Umfeld jeden Abend nach Hause nimmt.

00:20:23: Das geht einem ja nahe nach.

00:20:25: Es gibt da bestimmt Fälle, die einem so richtig nah gehen.

00:20:30: Schicksale, Familien-Schicksale vielleicht auch sogar von jungen Familien und dann... Wie bleibt man da menschlich nah ohne, dass es einen zu sehr belastet?

00:20:44: Ja gute Frage!

00:20:46: Vielleicht ist das auch einfach.

00:20:47: gehört es dazu, dass man das tatsächlich kann und im Kurs und ganzen funktioniert es tatsächlich gut.

00:20:57: Aber es gibt auch schon die Momente wo man mal mitnimmt, wo wir in Tränen auch mit den Leuten, wenn jemand dem Arm nimmt miteinander weint und das einem schon berührt.

00:21:08: Das nimmt man dann auch vielleicht doch ein Stück mit.

00:21:13: aber Ich denke, in jedem Beruf mit einer gewissen Professionalität kann man das doch auch gut einschätzen und sagen okay.

00:21:21: Natürlich ist da eine Verbindung aber am Ende vom Tage ist es doch nicht mein Schicksal.

00:21:28: Ja klar!

00:21:30: Du hast ja dann in einem Dialysezentrum gearbeitet.

00:21:33: Das wurde dann ja irgendwie von Montag auf Freitag geschlossen also sehr sehr kurzfristig und da stand der einmal wieder genau vor mir verschlossenen Tür, die da einfach zugeklatscht wurde.

00:21:46: Und dann hast du dich schließlich eher zufällig und so ohne genaue Vorstellung hier in der Klinik Schlossmann beworben um hier vielleicht diese Stelle klarzubekommen.

00:22:00: Wie hast Du das schon in den ersten Wochen- und Monaten erlebt?

00:22:03: Weil es war ja dann mal ein ganz breites Feld hast du mir erzählen.

00:22:07: Da war es ja nicht jetzt nur irgendwie intensiv oder Herzchirurgie, sondern da haste er hier einen sehr, sehr breiten Feld in der EHR hier im Klinikschloss Mannmann was da an Pflege zu tun ist.

00:22:21: und Pflege ist ja nicht gleich Pflege jetzt in den unterschiedlichen medizinischen Bereichen.

00:22:28: Ja wie habe ich das erlebt?

00:22:30: Also zum Anfang war das natürlich Tatsächlich, wie du es auch beschrieben hast.

00:22:33: Erstmal war das so... natürlich habe ich wirklich von Montag auf Freitag damals meinen Job verloren weil einfach die Praxis geschlossen wurde und das war schon auch wieder so ein Moment wo ich gedacht zuerst mal ganz kurz schlucken wir natürlich, ne?

00:22:49: Aber dann hab' ich gesagt okay, nee!

00:22:52: Das Universum wird schon seinen Plan haben und jetzt wird aber wieder eine Tür aufgehen und da muss man natürlich auch manchmal den Mut haben oder das Zutrauen ins Universum und so ein bisschen meine Philosophie.

00:23:04: Ein bisschen daran zu glauben, dass es alles seinen Sinn hat warum das passiert und ja auch mal den Mut über den Tellerrand hinwegzuschauen und so'n bisschen aus der Komfortzone rauszugehen.

00:23:16: Zehn Jahre war die Dialyse in meiner Welt da war ich schon ein relativer Fachmann und dann hier wie du gesagt hast ein komplett neues berufliches Umfeld.

00:23:27: Aber das habe ich tatsächlich dann bewusst gewählt, weil ich gesagt hab eben Uwe da tut sich eine neue Tür auf und geh mal wieder durch.

00:23:36: Schau es dir an!

00:23:36: Geh mal diesen neuen Weg vielleicht ist er gut, vielleicht ist auch nicht so gut aber waage mal etwas Neues und hab mir wieder viel neues Wissen aneignen müssen dürfen.

00:23:49: Aber was mir von Anfang an gefallen hat war halt tatsächlich in einer Reha-Klinik wieder ein bisschen mehr der Kontakt zu den Leuten zu haben.

00:23:57: Das speziell in der Intensivmedizin oder auch in der Dialyse ist natürlich auch viel Gerätemedizin mit dabei.

00:24:06: und wirklich wieder dieser Kontakt, im Endeffekt habe ich ja in eine Reha-Klinik meine pflegerische Karriere gestartet.

00:24:13: jetzt bin ich wieder in einer Reha Klinik gelandet eben auch zufällig in Anführungszeichen weil wie du sagst Ich hab das gar nicht gewusst dass es hier diese Kliniken gibt blind drauf beworben, weil ich das einfach nach einem Internet gesehen habe.

00:24:29: Das ist ein Traum auf der Ortwirne.

00:24:31: Direkt am Bodensee geregen einen riesigen Schlosspark mit uraldem Baumbestand.

00:24:37: Ich kenne es hier schon seit vierzig Jahren oder seit vierzehn Jahren nach Mammon kommen, weil sich den Ort so liebe und da so eine Ruhe und so eine Kraft ausstrahlt für mich.

00:24:47: Deswegen haben wir das dann auch für mich zur Reha gewählt.

00:24:50: Und du hast ja mir auch gesagt, das hast du gerade vorhin schon mal gesagt.

00:24:53: Ich möchte gerne noch einmal zurückkommen.

00:24:56: So dieser Satz, den du auch Menschen manchmal auf ein Kärtchen schreibst.

00:25:01: Also wenn irgendwo eine Tür aufgeht, geh einmal durch und schau dir den Weg an!

00:25:08: Das war so der Satz.

00:25:09: was bedeutet für dich persönlich dieser Satze?

00:25:13: Also ich habe hier natürlich auch vorbereitet, wenn du magst, kann ich auch mal vorlesen.

00:25:17: Ja

00:25:18: gerne!

00:25:19: Das ist tatsächlich so ein Zitat das ich für mich entdeckt hab und wie du gesagt jetzt auch vielen Leuten schon auf Kerlchen geschrieben habt die vielleicht eine Veränderung in ihrem Leben beschreiten.

00:25:30: und es ist so einen Spruch von Manfred May.

00:25:33: Das heißt wage immer wieder einmal einen anderen Weg.

00:25:37: Vielleicht wird er leichter?

00:25:39: Vielleicht beschwerlicher als dein bisheriger?

00:25:43: Mag sein Du findest dich nicht zurecht.

00:25:46: Gehst lieber wieder zurück, suchst einen alten bekannten Weg und fühlst sich sicher.

00:25:52: Aber möglich wäre auch ein neuer Weg könnte zu deinem Werten würde dich weiterführen bis zu

00:26:00: dir.".

00:26:02: Ja das ist eigentlich ganz tolles Zitat.

00:26:05: Sehr

00:26:05: schön!

00:26:06: Und ja beschreibt so im Nachhinein gesehen viele wie ich es dir gesagt habe viele Dinge in meinem Leben Die genau so waren, geh mal einen neuen Weg probier's aus.

00:26:17: Und ich sag selbst wenn der Weg nicht gut ist und du wieder auf deinen Alten zurückgehst... Du wirst immer was gewonnen haben!

00:26:23: Und zwar an Erfahrungen, an Lebenserfahrung, an Weisheit.

00:26:27: und eben genau so bin ich auch hier gelandet.

00:26:30: vielleicht führt er dich zu dir am Ende des Landes.

00:26:33: So kam ich in die Pflege ja?

00:26:36: So schön gesagt, so schön gesagt.

00:26:38: Vielleicht könnte es eine Botschaft auch sein am Ende des Podcasts für einen Hörerinnen und Hörern, wo vielleicht ursprüngliche Pläne vollständig zerbrochen sind.

00:26:50: Und vielleicht könnte das so eine Botschaft sein dass sie mutig sind einfach was Neues ausprobieren und nicht erst auf den Schicksalsschlag warten müssen sondern vielleicht auch mal vorher oder dann eben, wenn es passiert ist.

00:27:03: Dann zu sagen okay jetzt gucke ich mal welche Tür geht er auf der G-Antwalte durch?

00:27:07: Ja genau!

00:27:09: Lieber Uwe ganz ganz herzlichen Dank für deine Offenheit, für deine Geschichte und ganz persönlich auch für die menschliche Art mit der du mir hier an der Klinik begegnet bist und auch anderen Begegnes wie ich immer wieder sehe.

00:27:24: Uwe hat immer so ein ganz tief von innen raus herzliches Lachen im Gesicht, aber nicht lachen.

00:27:32: Also es ist so eine Zufriedenheit, Uwe bist du glücklich?

00:27:35: Ja

00:27:36: das sieht man wirklich!

00:27:38: Das steht ja sozusagen echt im Gesicht geschrieben und ich glaube dein Weg zeigt sehr eindrücklich Nicht jede Tür die sich schließt Ist das Ende von einem Weg.

00:27:49: Sondern manchmal zwingst sie uns nur dazu endlich die Tür zu sehen Die für uns bestimmt ist.

00:27:56: Danke, Owe.

00:27:57: Sehr gerne, Wolfgang!

00:27:57: Wir haben

00:27:58: ein echtes Vergnügen jetzt hier mit dir zu sprechen war und euch liebe Hörerinnen und liebe Höre wünsche ich eine ganz ganz tolle Woche.

00:28:06: kommt gut bis zum nächsten Wochenende durch und wenn euch dieser Podcast inspiriert hat gefallen oder berührt hat dann teilt ihn gerne gerade auch wenn er jemanden in eurem Umfeld kennt wo ihr denkt Für den wäre jetzt der Podcast gut, weil er steht gerade vor einer ähnlichen Situation.

00:28:26: Habt's gut, kommt gut an und ich sage tschüss bis nächste Woche.

00:28:45: Ciao!

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